Gedanken von unseren Pfarrer:
Erlebnisgeneration Gottes Volk beschreibt seine eigene Geschichte im Rückblick der Bibel ohne sonderlich viel Eigenlob: Gott hatte sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit, aber die Nachfahren der Sklaven hatten das schnell vergessen: Sobald die Augenzeugen, die Erlebnisgeneration verstorben war, vergaßen die Israeliten ihren Gott, dessen Gebote und die von ihm geforderte Gerechtigkeit. Zwar gab es im gelobten Land später immer wieder charismatische Männer und auch Frauen, die so genannten Richter, die sie in Krisen vor ihren Feinden oder erneuter Versklavung retteten, die Recht sprachen und Recht auch gegen die Mächtigen im Lande durchsetzten. Sobald aber diese Erlebnisgeneration gestorben war, immer das gleiche Spiel: Wenn aber der Richter gestorben war, so fielen sie wieder ab und trieben es ärger als ihre Väter, indem sie andern Göttern folgten, ihnen zu dienen und sie anzubeten. Sie ließen nicht von ihrem Tun noch von ihrem halsstarrigen Wandel. Richter 2, 19 Ähnlich unsere europäische Geschichte: Nach den blutigen Kriegen in Folge von Reformation und Gegenreformation hatte man sich endlich (!) 1555 auf den Augsburger Religionsfrieden einigen können. Als keine Zeitzeugen mehr warnen konnten, nahmen die Spannungen zu, bis der Prager Fenstersturz 1618 einen willkommenen Anlass für den neuen, Dreißigjährigen Krieg bot… Nach dem Zweiten Weltkrieg hat man versucht, eine dauerhaften Frieden zu schaffen: Recht, Vertrauen und internationale Zusammenarbeit sollten Kriege zumindest in Europa unmöglich machen. Doch die Generation, die sich an den letzten Weltkrieg und seine Folgen erinnert, wird kleiner. Besteht die Gefahr, dass wir nun anderen Göttern folgen, ihnen dienen und sie anbeten, z. B. den Göttern der nationalen Stärke und des „Wir zuerst“? Ich mache mir Sorgen, dass viele zwar genau wissen, gegen wen sie sind, aber nicht sagen können, welche Alternativvorschläge sie haben. Spannungen nehmen weltweit zu, Vertrauen nimmt ab und wir stehen mitten drinnen. Als Christen ist es unsere Pflicht für alle Menschen zu beten, die sich für unsere Gesellschaft einsetzen, sei es im Marienberger Rathaus, in Brüssel, Berlin oder Dresden. Beten Sie für diese Menschen! Ihr Pfarrer Wolfram Rohloff
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