Gedanken von unseren Pfarrer:
in.
Hinrichten oder aufrichten? von Pfarrer Wolfram Rohloff Heute, wenn ich diese Andacht schreibe, liegt die Europameisterschaft erst wenige Tage hinter uns. Falls Sie es vergessen haben: Italien ist Europameister: Congratulazioni! Obwohl ich kein großer Fußballfan bin, habe ich mir ein paar Spiele angeschaut. Spannung und sportliche Leistungen fallen mir ein, aber auch Unbarmherzigkeiten z.B.: Erwachsene zogen über ein kleines Mädchen her, das wegen der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft weinte. Nach der Niederlage gegen England wussten manche sofort, dass der deutsche Nationaltrainer schon vor Jahren hätte ausgetauscht werden müssen. Haben diese Leute nicht begriffen, dass Fußball ein Spiel ist? Dass bei jeder EM fast alle Mannschaften ausscheiden? Wären „wir“ weitergekommen, man hätte Joachim Löw wohl in den Himmel gehoben. Unbarmherzigkeiten sind weder sportlich noch kommen sie nur beim Sport vor: Seit Jahren höre ich zum Beispiel, wie wir Deutsche über Politiker reden. Wo liegt das Problem? Darf man denn seine Meinung nicht mehr sagen? Kritik ist kein Problem! Kritik ist prinzipiell gut! Auch mir passt vieles in unserem Land nicht. Einige Entscheidungen im Bund, in Sachsen, im Erzgebirgskreis oder in Marienberg würde ich sicher anders treffen. Aber trotzdem bin ich ziemlich froh, dass ich in Deutschland lebe und nicht irgendwo anders. Das Problem liegt also nicht im kritischen Hinterfragen, sondern im „Richten“: Sollen meine Worte aufrichten, also verbessern helfen, auf reale Probleme hinweisen? Oder sollen meine Worte andere Menschen und deren Bemühungen hinrichten? Wir sind Christen. Jesus ist unser Maßstab. Und warnt uns (Matthäus 7,1-2): Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn wie ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden. Wenn ich andere unbarmherzig richte, warum sollte Gott mich dann nicht genauso unbarmherzig richten? (Fehler gibt es an mir genug!) Wir können aber auch anders richten, so, wie man einen defekten Motor oder eine Leitung richtet: aufrichten, helfen, besser machen. Wenn wir so richten, wird Gott uns auch aufrichten. Ich habe Politik bereits erwähnt. Am 26. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Hat unser Maßstab Jesus uns auch dazu etwas zu sagen? Natürlich! Jesus schreibt zwar uns nicht vor, wo wir unsere Kreuze zu machen haben, aber was er vom bösen Richten sagt, gilt auch bei einer Bundestagswahl: Wie tritt ein Kandidat oder eine Partei auf? Richtet er mit seinen Worten auf oder hin? Bietet er realistische Lösungsvorschläge an oder begnügt er sich mit bequemem Richten? Egal, wen Sie zum Abgeordneten für unseren Wahlkreis wählen werden, egal, welche Regierung unser Land in den kommenden Jahren haben wird, beten Sie für diese Menschen und auch für alle anderen, die sich politisch in unserer Stadt oder unserem Land einsetzen! P.S. Wollen Sie unsere Direktkandidaten und deren Ziele kennenlernen? Dann lade ich Sie herzlich am Freitag, den 24. September 19.30 Uhr im Haus des CVJM Lichtblick in Niederlauterstein ein.